Perfektionierte Prophylaxe bietet der Praxis Potenzial 

Die Deutschen Mundgesundheitsstudien (DMS) dürften Patienten und zahnärztliche Teams mit Stolz erfüllen, denn sie zeigen: Prophylaxe funktioniert. Jetzt gilt es, den offenkundig richtigen Weg konsequent weiterzuverfolgen. 

 

Die Zahnmedizin ist in puncto Prophylaxe beispielgebend für andere medizinische Fachbereiche. So verzeichnete sie in den letzten Jahren einen deutlichen Karies-Rückgang bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, ebenso einen Rückgang bei den komplett zahnlosen Patienten zwischen 65 und 74 Jahren. Auf der anderen Seite hält sich bei den Jungen hartnäckig eine Karieshochrisikogruppe, und bei den Erwachsenen führen mehr verbliebene natürliche Zähne und/oder Implantate zu einem zusätzlichen Prophylaxebedarf.

 

Mit Laserphysik und biologisch aktiven Werkstoffen

In der professionellen Prophylaxe sind laserbasierte Therapiemethoden jüngst immer interessanter geworden: Zum Biofilm-Management steht insbesondere der Diodenlaser zur Verfügung (z.B. bei 635 und 660 nm). Er kann aufgrund seiner photothermischen Wirkung Keime abtöten und Oberflächen dekontaminieren und eignet sich darüber hinaus ganz allgemein zur Gewebedesinfektion in Endodontie und Parodontologie, wobei sich die desinfizierende Wirkung sogar in ausgedehnten Parodontaltaschen entfaltet.1

 

Weiterhin essenziell bleibt die professionelle Prophylaxe mit Scaling und Root-planing. Zur Zerstörung und Entfernung des supra- und subgingivalen Biofilms und zur systematischen Reinigung erkrankter Parodontien gibt es verschiedene Instrumentarien, darunter Handinstrumente (z.B. Gracey-Küretten) und Ultraschallansätze; an die Zahnform adaptierte Spitzen erleichtern die Instrumentierung2.

 

Daneben stehen Pulverstrahlsysteme zur Verfügung, wobei verschiedene Zusammensetzungen des verwendeten Abrasivmediums dieses Verfahren flexibel machen. Als wesentliche Inhaltsstoffe können zum Beispiel Natriumbicarbonat, Glycin, Erythritol oder Trehalose zugegen sein. Eine sinnvolle Ergänzung stellt die abschließende Politur mit fluoridhaltiger Paste dar2.

 

Interessante Entwicklungen gibt es auch bei restaurativen Materialien – denn deren prophylaktische Aspekte gilt es stets mitzuerwägen. Neuerdings können bestimmte fluorid- und phosphatreiche Gläser, als Bestandteile von Füllungsmaterialien, durch Hemmung von Matrixmetalloproteinasen und Cysteincathepsinen den enzymvermittelten Abbau von Collagenfasern im Dentin vermindern und die Remineralisierung des Dentins stimulieren.3

 

Bewährtes wird durch Studien gestützt, Neues darauf aufgebaut

Unter den klassischen Hilfsmitteln zur häuslichen Prophylaxe können innovative Zahncremes immer besser zur Remineralisierung geschwächter Zähne beitragen und sogar für die Schließung mikroskopisch kleiner Kavitäten sorgen; dies verringert auch die Empfindlichkeit des betreffenden Zahns4. Handzahnbürsten und elektrische Zahnbürsten weisen eine große Spannweite auf, insbesondere durch altersgerechte Ausführungen. Voluminösere Griffe für Senioren oder spezielle Elektrozahnbürsten-Aufsätze für Prothesenträger stellen nur zwei Beispiele von sehr vielen dar.

 

Bei Parodontalerkrankungen bieten sich klassische antimikrobielle Therapieansätze an, wobei ihre Wirksamkeit durch aktuelle Studien untermauert wird. Die Behandlungsverfahren schließen unter anderem die Anwendung von Antibiotika, Chlorhexidin, Hydroxylapatit5 und verschiedenen Ölen (z.B. essenzielle Öle6 oder speziell Schwarzkümmelöl) ein.

 

Digitale Tools: cool und medizinisch effektiv

Einen immer höheren Zusatznutzen bringen aktuell digitale Technologien. So erlaubt eine App dem Patienten, sein Parodontitis-Risiko selbst einzuschätzen und gegebenenfalls aktiv auf das Prophylaxe-Team zuzugehen7. Die elektrische Zahnbürste wird mit digitalem Support optional zu einem Monitoring-und-training-Tool für effektivere Mundpflege. Zudem werden diese Systeme noch bedienungsfreundlicher, schicker, cooler und kommen mit einem immer höheren „Spaßfaktor“ zur Steigerung der Compliance daher.

Gerade im Bereich der Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen könnten in Zukunft durch Verknüpfung der digitalen Welten mit Spielvergnügen durch sogenannte „Serious Games“ weitere Erfolge erzielt werden. 

 

Literatur

1. Jordan AR, Micheelis W (Hrsg.): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Deutscher Ärzteverlag (DÄV), Köln 2016

2. Bühler J: Unterstützende Parodontitistherapie mit Pulver-Wasserstrahl-Gemischen (Perio-Flow). PLAQUE N CARE 2017;11(1):22-32

3. Tezvergil-Mutluay A, Seseogullari-Dirihan R, Feitosa VP, Cama G, Brauer DS, Sauro S: Effects of Composites Containing Bioactive Glasses on Demineralized Dentin. J Dent Res 2017(Aug);96(9):999-1005.

4. http://www.medicalpress.de/seiten/p/pg/blend-a-med/pgbm02bm-oral-b-blend-a-med-pro-expert-gesunde-frische.html?utm_source=neu-oral-b-blend-a-med-pro-expert-sorgt-fuer-starke-zaehne&utm_medium=e-mail&utm_content=teaser-text&utm_campaign=newsletter-mail (Zugriff: 2016)

5. Harks I et al.: Impact of the daily use of a microcrystal hydroxyapatite dentifrice on de novo plaque formation and clinical/microbiological parameters of periodontal health. A randomized trial. PloS one 11, e0160142 (2016).

6. Fine DH et al: Effect of rinsing with an essential oil-containing mouthrinse on subgingival periodontopathogens. J Periodont 2007;78:1935-1942.

7. http://www.dgparo.de/startseite, dort rechts unten: „Die DG PARO App“

8. Wölber J: Mundhygieneförderung durch Computerspiele. ZMK 2014;30(12):808-812

Teilen:

Share on whatsapp
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email

Weitere Beiträge