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Bedrohte Tätigkeiten, schwindendes Know-how

Kann in zehn Jahren der zahnlose Patient noch eine Vollprothese bekommen?

von dental News Agency
4 Minuten Lesezeit

Kennt ihr den Wagner, den Köhler oder den Fassbinder? Vielleicht ist einer davon euer Nachbar. Aber niemand baut mehr Holzräder und –wagen, stellt im tiefen Wald Holzkohle her oder fertigt Fässer und Bottiche. Bei manchen verschwundenen Tätigkeiten ergreift uns Wehmut. Verkörperte der Schrankenwärter nicht etwas von ganz ursprünglicher Eisenbahnromantik?

Die Spannweite der aktuell bedrohten Berufe umfasst alles. Von tief unter der Erde (Bergbau) bis in luftige Höhen (Flugbegleitung)! Selbst die meisten traditionellen Tätigkeiten in Bereichen wie Konditorei, Brauerei, Weinbau und der Landwirtschaft sollen schon in zehn Jahren obsolet geworden sein. Dort werden zwar noch Menschen arbeiten, aber sehr weit entfernt von Vorstellungen, wie sie in Liedern wie „Im Märzen der Bauer …“ noch anklingen. Hier verschwinden zwar keine Branchen, aber nach und nach entfallen bestimmte Tätigkeiten und werden durch andere ersetzt. Dabei geht das traditionelle Know-how verloren. Oder fließt in irgendeiner Form in digitale Prozesse ein.

In der Zahnmedizin geht zurzeit die anspruchsvolle Kunst der Prothesenanfertigung verloren – das fürchtet jedenfalls Prof. Angus Walls, Leiter der Zahnmedizinischen Fakultät an der Universität Edinburgh. Die Dramatik erschließt sich beim Rückblick auf die vergangenen siebzig Jahre: Kurz nach dem zweiten Weltkrieg waren Zahnprobleme im Vereinigten Königreich selbst bei jungen Patienten so gravierend, dass schon so mancher 20- bis 30-Jährige eine Vollprothese bekam. In den letzten 40 Jahren hat sich aber die Zahl der über 70-Jährigen mit (Rest-)Bezahnung von 20 % auf 80 % erhöht. Die Vollprothese wird nur noch selten benötigt, und das Know-how der Zahnärzte in diesem Bereich droht zu schwinden. In Schottland beschäftigen sich damit heute hauptsächlich die „clinical dental technicians“. Es sind gerade einmal elf! Eine davon schätzte in einer BBC-Reportage, dass sich Zahnärzte auf Wurzelkanalbehandlungen und Füllungstherapie fokussierten, für Vollprothesen jedoch wenig Zeit bleibe und dass damit auch die Fähigkeiten in diesem Bereich verschwänden. Dies würde zu Problemen für diejenigen Patienten führen, die eine Vollprothese benötigen. Und diese Patienten dürfte es auch in Zukunft geben.

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